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Der Cybercrime-Spezialist

Farsam Salimi

Farsam Salimi

© Privat











FARSAM SALIMI
ist am Institut für Strafrecht
und Kriminologie der Universität Wien
mit Verbrechen im Internet befasst
– als Wissenschaftler. Er hat aber auch
Einsicht in die Praxis der Polizei.


Wer sich für Verbrechen interessiert, wartet jedes Jahr wieder auf die Veröffentlichung der österreichischen Kriminalstatistik. 2017 zum Beispiel fiel auf, dass die Gesamtkriminalität gegenüber dem Vorjahr um 5,1 Prozent gesunken war. Das große Wachstum jedoch gibt es seit ein paar Jahren bei Cybercrime – ein Plus von 28,3 Prozent. Es sind Zahlen, die Farsam Salimi am Institut für Strafrecht und Kriminologie der Uni Wien gut kennt. „Die Abteilung im Innenministerium, das C4 Cyber Crime Competence Centre, ist in den letzten Jahren dementsprechend gewachsen“, sagt Salimi. Er kooperiert mit dieser Abteilung in wissenschaftlichen Projekten.

Dabei fasst Salimi den Begriff Cybercrime weit, also weit über reine Internetbetrügereien oder Hacking-Angriffe hinaus, sondern versteht darunter etwa auch Verhetzung, Wiederbetätigung, Kinderpornografie oder die Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Zusammen mit Institutsvorstand Susanne Reindl-Krauskopf und Martin Stricker hat er ein Buch zum Thema geschrieben. Das Handbuch „IT-Strafrecht“ erscheint dieser Tage bei MANZ. „Es ist ein Nachschlagwerk für Juristen und viel dicker geworden, als wir ursprünglich dachten“, sagt er stolz und mit einem schwachen, aber doch hörbaren Kärntner Akzent.

Denn Farsam Salimi, geboren am 19. 8. 1980 in Teheran, ist ab seinem sechsten Lebensjahr in Villach aufgewachsen. Seine Eltern flohen vor dem Iran-Irak-Krieg nach Österreich, um die beide älteren Brüder Farsams vor einem Einsatz als Soldaten zu bewahren. In Villach hatte die Familie einen Bekannten; Salimis Vater, in einer Anwaltskanzlei in Teheran beschäftigt, startete eine zweite Karriere als Teppichhändler. Dort wuchs Farsam als jüngster Sohn sehr behütet auf. Deutsch habe er im ersten Sommer nahezu automatisch gelernt, erzählt er, die Schulzeit war für ihn ein Traum, fast entschuldigend sagt er, dass er „klar, immer einer der Klassenbesten“ war. Weil er seine Hausübungen im Geschäft machte, weiß er auch wirklich alles über Perserteppiche. Nach der Matura entschied er sich für ein Jus-Studium. In der Einführungsvorlesung von Heinz Mayer wusste er, dass seine Entscheidung goldrichtig war. Er studierte „sehr erfolgreich, schnell und gut“, sagt er und da ist es wieder, dieser fast schuldbewusste selbstironische Lächeln.

„Eigentlich bin ich ein Mensch, der eher nicht langfristig plant“, sagt er. Nach Abschluss des Studiums entschied er sich erst einmal als Konzipient bei einem Anwalt zu beginnen. Die Idee, eine Dissertation zu schreiben, ließ ihn jedoch nicht los. Weil sich das neben der Kanzlei einfach nicht ausging, ergriff er 2006 seine Chance und nahm eine Praedoc-Stelle am Institut für Strafrecht bei Wolfgang Brandstetter an. Seine Dissertation über „Das subjektive Rechtfertigungselement“ beendete er, als Brandstetter längst an die WU gewechselt war. Von Alexander Tipold habe er das wissenschaftliche Arbeiten so wirklich gelernt, sagt er. Als seine Stelle auslief, freute er sich, dass er als juristischer Mitarbeiter beim Rechtsschutzbeauftragten Manfred Burgstaller und in der Legistikabteilung des Innenministeriums übernommen wurde. Dort lernte er die Praxis der Gesetzwerdung und die Polizeiarbeit kennen.

Nach eineinhalb Jahren holte ihn Susanne Reindl-Krauskopf zurück an die Uni, nicht zuletzt – um dort ein Zentrum für Polizei- und Justizwissenschaften (ALES) zu verankern – Salimi ist dort als Assistenzprofessor tätig.

Wenn es um die Verfolgung von Cyberkriminellen geht, müsse man viel prozessorientierter denken, ist er überzeugt. Meist agieren die Täter im Ausland, oftmals handle es sich um organisiertes Verbrechen am Rande von Terrorismus und Spionage. Grundlegend würde es in seinem Bereich um die alte Frage von Sicherheit und persönlicher Freiheit gehen, sagt er, Fragen, die ihn auch in seiner Habilitation beschäftigen.

Was Salimis Arbeitspensum auflockert? „Mit Pfeilen schießen“, sagt er und zeigt auf die elektronische Dartscheibe in der Ecke seines Büros in der Schenkenstraße. Kollege Tipold käme immer wieder einmal auf eine Runde vorbei. Aber auch außerhalb des Instituts hat der Cybercrime-Spezialist viele Interessen. Er singt im Chor Kammerton, kocht gerne und viel und hat ein Abonnement im Burgtheater.

Karin Pollack

 
  • Susanne Reindl-Krauskopf; Farsam Salimi; Martin Stricker

    Handbuch IT-Strafrecht

    Cyberdelikte und Ermittlungsbefugnisse

    MANZ Verlag Wien
    ISBN: 978-3-214-03389-7 - Fester Einband
    XXXII, 410 Seiten, 2018
    98,00 EUR inkl. MwSt.
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