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Sicher kein Käse

Christian Handig

Christian Handig
© Mike Ranz













„Paragrafen sind keine trockene Materie“,
sagt Christian Handig von der Wiener
Wirtschaftskammer. Für MANZ war er
als Herausgeber von „urheber.recht“
im Einsatz.

Das Leben ist eine ziemlich komplexe Sache. Unterschiedliche Lebenswirklichkeiten, widerstreitende Interessen, im Ernstfall: Auseinandersetzung und Streit. Wer will was? Wie kann man etwas bewirken? Was passiert dann? Das seien grundlegende Fragen, die ihn schon in der Schule interessiert haben, erzählt Christian Handig. Wenn das Leben manchmal ein Chaos ist, dann begegnet er solchen Hürden immer gut vorbereitet. Das betrifft auch das Gespräch über sein Leben im altmodischen Café Ministerium gleich gegenüber der Wiener Wirtschaftskammer am Schubertring. Er bestellt einen Tafelspitz, „das einzige, was ich wirklich überhaupt nicht mag, ist Käse, und zwar in keiner Form“, sagt er mit ehrlicher Abscheu. Das stünde aber nicht auf dem biografischen Spickzettel, den er vorbereitet hat, lacht er.

Geboren wurde Christian Handig 1966 in Wien, wo er zusammen mit einem älteren Bruder in Penzing aufwuchs. „Kein Pflegekind, sondern eine ganz normale Kindheit“, lacht er. In der Schule mochte er am liebsten Geschichte, den wirtschaftskundlichen Teil der Geographie und sogar Mathematik, ein Fach, „das einiges mit der Rechtswissenschaft gemein hat“, sagt er, es seien beides Systeme, wobei Jus deutlich mehr Brüche habe. Dass er lieber Jus statt Mathematik studieren wollte, stand für ihn schon während der Schulzeit fest, „sonst hätte ich ja Lehrer werden müssen“, sagt er. Das wollte er nicht.

Nach der Matura 1985 und der Zeit beim Bundesheer inskribierte er am Wiener Juridicum. „Natürlich hat mir das Zivilrecht besser gefallen“, sagt er mit großer Selbstverständlichkeit. Während des Studiums jobbte er in Anwaltskanzleien, absolvierte das Gerichtsjahr und stieg dann in der Rechtsabteilung der Wiener Wirtschaftskammer ein. „Weil diese Kammer ein extrem breites Spektrum an juristischer Arbeit bietet“, erläutert er diese Entscheidung und meint Rechtspolitik im weitesten Sinne. Handig beschäftigt sich mit Gewerbefragen genauso wie mit zivilrechtlichen Gesetzesvorhaben in Österreich und in der Europäischen Union. Sein Job ist vielfältig, macht ihm Spaß – und das schon seit 1996.

Kontinuität, dieses Wort bringt Christian Handig irgendwann auch selbst ins Spiel. Das ist eine Eigenschaft, die auf ihn zutrifft. Beruflich wie privat. Als 15-Jähriger habe er seine Frau auf einem Schulschikurs in Obertauern kennengelernt und ist seit damals mit ihr zusammen. Die beiden haben zwei Kinder. Handigs Sohn studiert Jus, seine Tochter absolviert, so wie seine Frau seinerzeit, die Modeschule Hetzendorf. „So ein Zufall“, lacht er, und will darin auch einen Hauch Ironie erkennen.

Zu Handigs beruflichem Selbstverständnis gehörte allerdings von Anfang an auch das Schreiben. Das macht er gerne und viel. Passend zu seinem Beruf hat er sich als Autor auf Rechtsgebiete wie Urheberrecht, e-Commerce, Markenschutz und Gewerberecht spezialisiert und dazu bislang über 140 Aufsätze verfasst. Neu für ihn war die Funktion der Herausgeberschaft. Zusammen mit Rechtsanwalt und Urheberrechtsexperten Guido Kucsko hat er Texte für die zweite Auflage des „urheber.rechts“ eingesammelt. „Alles, was Lesbarkeit und Verständlichkeit mindert, sollte möglichst minimiert werden“, sagt er rückblickend. Das war nicht nur zeitintensiv, sondern bedurfte auch einiger Überzeugungsarbeit, etwa dann, wenn er alle Paragrafen im Sinne eines optimierten Leseflusses rigoros in die Fußnoten verbannte. „Die Lektüre eines juristischen Textes ist im besten Fall richtig spannend, jedenfalls sollte er gut lesbar und verständlich sein“, ist er überzeugt und wirbt damit auch fürs juristische Geschichtenerzählen.

Apropos Geschichte: Sie war nicht nur in der Schule sein liebstes Fach, sondern ist heute sein Hobby geworden, das sich in der Wahl seiner Lektüre niederschlägt. Am liebsten liest er gute historische Sachbücher, gerne auf Englisch. Christian Handig mag aber auch Musik, „eine, die aufwühlt und nicht so leicht zugänglich ist“, sagt er und nennt Nick Cave, The Smiths oder Tom Waits als seine Favoriten. Und ja, natürlich reist er auch gerne. Mit der Familie war er unlängst in Portugal, „eine Entdeckungsreise rund um Porto“, sagt er. Aber sein absolutes Traumland sei Japan, die Ordnung, die Mentalität und das Essen, das alles entspräche eigentlich so ziemlich genau seinen Vorstellungen von Präzision, Klarheit und Einfachheit, um die es in einer zunehmend komplexen Welt gehen sollte.
 


Karin Pollack

 
  • Guido Kucsko; Christian Handig

    urheber.recht

    systematischer kommentar zum urheberrechtsgesetz

    MANZ Verlag Wien
    ISBN: 978-3-214-01169-7 - Fester Einband
    LXII, 1788 Seiten, 2. Auflage, 2017
    278,00 EUR inkl. MwSt.
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